Ein verdrehter Antikriegstag

Referent: Dortmunder Antifa Bündnis
3. Juli, 19.00 Uhr KulturCafe

Für den 1. September 2012 mobilisieren die Dortmunder Neonazis erneut europaweit zum so genannten „Nationalen Antikriegstag”. Die seit 2005 jährlich stattfindende Demonstration ist für die extreme Rechte ein günstiger Anlass, um unter dem Deckmantel des „Pazifismus“ ihren Rassismus, Antisemitismus und Antiamerikanismus zu propagieren.

Neonazis in Dortmund
Im ersten Teil geht es primär um neuerliche Entwicklungen, sowohl bei den Neonazis, als auch bei der extremen Rechten auf parlamentarischer Ebene. Informiert wird über die allgemeine Beschaffenheit der Dortmunder Neonaziszene, deren Ursprung, personelle Konstitution, Arbeitsteilung sowie deren Verbindungen zur gewaltbereiten und gewaltsuchenden Fußballszene.

Alerta!
Im zweiten Teil wird das Alerta!-Bündnis, ein Zusammenschluss von Antifa-Gruppen aus NRW, vorgestellt. Als Nachfolger des S-Bündnisses, steckt dieses Bündnis bereits seit dem letzten Jahr in den Vorbereitungen um das Nazi Event zu verhindern. Der Vortrag dient dazu, das Bündnis vorzustellen und einen Überblick über aktuelle Geschehnisse rund um den “Nationalen Antikriegstag” zu geben.

Weitere Informationen zum Dortmunder Antifa Bündnis und die Proteste gegen den Naziaufmarsch im September finden sich hier und hier.

In Kooperation mit dem

Gründungstreffen JoG NRW

Der Refernt des PolDis am 5. Juni, vom Flüchtlingsrat NRW hatte in seinem Referat bereits auf das anstehende Gründungstreffen der Jugend ohne Grenzen hingewiesen. An dieser Stelle nochmals genauere Informationen.

Gründungstreffen JoG NRW

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Europäische Grenzpolitik und die Abschottung gegen MigrantInnen


Referent: Antifaschistische Bildungsinitiative Münsterland
26. Juni 19.00 Uhr KulturCafe

Der Vortrag soll eine Einführung in die multilaterale Zusammenarbeit der europäischen Staaten bieten und darstellen, mit welchen Bündnispartner*innen zusammengearbeitet wird bzw. wurde für eine gemeinsame Überwachung und Kontrolle der europäischen Außengrenzen. Dabei wird u.a. die Agentur „Frontex“ eine zentrale Rolle spielen, traurige Berühmtheit erreicht diese in regelmäßigen Abständen durch ihre groben Verstöße gegen Menschenrechtskonventionen und ihr rigoroses Auftreten gegenüber Bootsflüchtlingen. Es wird die Vernetzungsarbeit von Frontex mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, wie z.B. Firmen und der Industrie, aber auch Wissenschaftler*innen und dem Wissensbetrieb untersucht werden.
Hier werden neben den verschiedenen nationalstaatlichen Interessen, die bei der Konstruktion europäischer Grenzräume eine Rolle spielen, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Migrant*innen und Flüchtlinge in Deutschland fokussiert, um den Überblick über die europäische Grenzpolitik vollenden zu können.

In Kooperation mit dem

„The Truth lies in Rostock“

Film & Diskussion
19. Juni 19.00 Uhr KulturCafe
Vom 22. bis 26. August 1992 griff ein Mob aus Neonazis und ganz normalen Deutschen über Tage hinweg die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber*innen in Mecklenburg-Vorpommern und das direkt angrenzende Wohnheim ehemaliger vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen an. Während Verantwortliche in Stadt und Land die Ereignisse trotz Ankündigen schlicht aussaßen, überließ die Polizei den Angreifenden weitestgehend ungestört das Feld und damit die Migrant*innen sich selbst. Die Anwohner*innen verfolgten indessen wohlwollend vom Balkon oder der Imbissbude nebenan aus die Ereignisse.

Die Dokumentation „The Truth lies in Rostock“ gibt einen detaillierten Überblick über die Geschehnisse der Pogromtage und ihre Auswirkungen von der „Evakuierung“ der Flüchtlinge und ehemaligen VertragsarbeiterInnen bis hin zur Debatte um die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl. Sie vereinigt dabei Bilder aus dem Inneren des Vertragsarbeiter*innen-Wohnheims unmittelbar während der Angriffe und Gespräche mit den Angegriffenen mit sprachlos machenden Interviews von Verantwortlichen offiziellerseits, Anwohner*innen und Angreifer*innen.

Film: The Truth lies in Rostock (R: Mark Saunders, D 1993, 81 min)

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Was heißt „Dialektik der Aufklärung“?

Referent: Jan Eufinger
12. Juni 19.00 Uhr KulturCafe

Die 1944 verfasste Dialektik der Aufklärung von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer dürfte sicherlich das bekannteste und am meisten rezipierte Werk der Kritischen Theorie sein. Dies hat jedoch auch dazu geführt, dass Rezeptionen kursieren, welche die Intention des Werkes mitunter ins Gegenteil verkehren. Ein Grund für das Entstehen derart fundamentaler Missverständnisse dürfte die schwere Zugänglichkeit des Werkes sein. Es handelt sich dabei nicht um eine wissenschaftliche Abhandlung im typischen Sinn, sondern um fragmentarische Essays. Diese bilden zwar durchaus ein Ganzes, aber viele grundlegende Voraussetzungen und Thesen bleiben implizit. Deswegen wird dieser Vortrag sich nicht nur auf die Dialektik der Aufklärung beziehen, sondern auch Max Horkheimers Zur Kritik der instrumentellen Vernunft heranziehen und zumindest kurz versuchen, die Bezüge auf Marx Kritik der politischen Ökonomie zu verdeutlichen. Ziel des Vortrags ist es in die grundlegenden Thesen der Kritischen Theorie im Allgemeinen und der Dialektik der Aufklärung im Besondern einzuführen und Interesse an einer weitergehenden Beschäftigung mit diesen Werken zu wecken.

Der Referent ist Mitglied des Arbeitskreises Rote Ruhr-Uni.

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Flüchtlingsabwehr in Europa und Lage der Flüchtlinge in Deutschland

Referent: Flüchtlingsrat NRW
5. Juni 19.00 Uhr KulturCafe

In dem Vortrag geht es zum einen um die Abschottung Europas vor Flüchtlingen und hier vor allem die Situation in den südeuropäischen Staaten, um die Rolle von Frontex und fluchtauslösende Faktoren des internationalen „Freihandelssystems“. Neben diesen Kontextinformationen wird der Blick hauptsächlich auf die hier geltendenSondergesetze/bedingungen (AsylbLG, Residenz- bzw. Wohnsitzverpflichtung etc.) gerichtet und ein Überblick über die Lebenslagen von Flüchtlingen in Deutschland gewährt.

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Die Flugzeugentführung von Entebbe und die deutsche Linke

Film & Diskussion
22. Mai 19.00 Uhr KulturCafe

Wir wollen an diesem Abend an ein fast vergessenes Ereignis der Geschichte und an einen Bruchpunkt der deutschen Linken nach 1968 erinnern: Am 27. Juni 1976 entführte ein deutsch-palästinensisches Terrorkommando eine Air France-Maschine von Athen nach Entebbe in Uganda. Gefordert wurde die Freilassung von inhaftierten Mitgliedern diverser antiimperialistischer Gruppen in Israel und der Bundesrepublik. Nach einigen Tagen wurden unerwartet die meisten Geiseln freigelassen, allein die zuvor gewaltsam von den übrigen Passagieren getrennten Israelis und Juden wurden weiter festgehalten und mit dem Tod bedroht.
Erst ein riskanter Kommandoeinsatz der israelischen Spezialeinheit Sayeret Matkal befreite in der Nacht auf den 4. Juli 1976 die jüdischen Geiseln. Danach diskutierte die zuvor eher peinlich berührte anstatt empörte Öffentlichkeit, und mit ihr die deutsche Linke, nicht die Selektion von Juden und Nicht-Juden, sondern die Verletzung ugandischer Souveränität durch einen ‚Blitzkrieg‘-Angriff. Für einige Linke allerdings war dieses Ereignis ein einschneidender Wendepunkt: Zum ersten Mal nach dem 8. Mai 1945 hatten Deutsche öffentlich nicht nur Einspruch, sondern die Waffen und eine nicht mehr nur sekundär antisemitische Stimme gegen Israelis und Juden erhoben…

In Kooperation mit dem

Extremismusklausel an der RUB

Misstrauen als anti-linke Strategie von Kristina Schröder bis zur Ruhr-Uni Bochum
Referent: Mitglied der DGB Jugend NRW – Arbeitskreis Rechtsextremismus
15. Mai 19.30 Uhr KulturCafe

Kristina Schröder (CDU, Familienministerin) hat unter viel Kritik (SPD, Grünen, Linke, DGB) als Förderungsbedingung ihres Ministeriums eine Klausel eingeführt die alle Förderpartner zwingt eine Bekenntniserklärung zur freiheitlich Demokratischen Grundordnung zu unterschreiben. Die Einführung dieser Klausel beruht auf der Extremismustheorie nach Backes und Jesse deren Wissenschaftlichkeit in der Fachwelt schwer in Frage gestellt wurde. Förderpartner werden durch den Bekenntniszwang unter antidemokratischen Generalverdacht gestellt.
In der Praxis erweist sich die Klausel als ein strategisches Mittel der Konservativen um unliebsame Linke Bündnisse zu zerschlagen weil Bündnismitglieder um ihre Förderungswürdigkeit fürchten müssen.

Der derzeitige AStA (NaWi, Jusos, IL, GeWi) führt auf eigene Initiative ebenfalls den Bekenntniszwang für Initiativen ein. Die Initiativen an der RUB wehren sich in einem offenen Brief und verlangen restlose Streichung der Klausel. Es droht ein Eklat.

In unserem Vortrag sollen die Hintergründe der Extremismustheorien und der Extremismusklausel geklärt werden. Auf dieser Basis wird die derzeitige AStA Politik fundiert kritisiert. Im Anschluss gibt es Raum für Nachfragen und eine offene Diskussion.

Weitere Informationen:
www.extrem-demokratisch.de

Zum Hintergrund:
Offener Brief von Bochumer Initiativen
Offener Brief des FSR SoWi

Stein des Anstoßes: „(1) Initiativen, welche durch die Studierendenschaft der Ruhr-Universität Bochum gefördert werden, müssen
a) sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland bekennen, und
bestätigen, dass sie diese in keinster Weise ablehnt, oder Tendenzen der Abschaffung dieser verfolgt“ aus dem Koaliationsvertrag von NAWI, Jusos, IL und GEWI, Neuerung seitens dieser Listen.

8.Mai – Niederlage oder Befreiung?

8.Mai – Niederlage oder Befreiung?
Das Ende des Zweiten Weltkrieges und seine Wahrnehmung.

8. Mai 19.00 Uhr KulturCafe

Spätestens seit der Landung der Alliierten in der Normandie kann die Niederlage des Deutschen Reiches als besiegelt gelten.
Doch obwohl dies auch der Führung des Reiches nicht verborgen bleiben konnte, hat das Reich, trotz der sich anbahnenden militärischen Katastrophe, unerbittlich weiter gekämpft. Weder in der Bevölkerung noch in den Reihen der Militärs fand sich ein flächendeckender Widerstand, sondern der Wille zum Weiterkämpfen. Gleichzeitig zeigt sich rund um die Kapitulation in der zweiten Maiwoche auch ein erstaunlich gegenteiliges Bild: Mit der Kapitulation verebbte der Kriegswille und die wenigen „Werwolfgruppen“, die die Niederlage auch nach der Kapitulation nicht hinnehmen wollten, fanden kaum Rückhalt in der Bevölkerung.
Was waren die Gründe und Ursachen dafür, dass der Wille „bis zum letzten Mann“ zu kämpfen so lange anhielt und doch so plötzlich umschlug? Und was bedeutet dies für die Wahrnehmung der Kapitulation? Galt sie der Bevölkerung wirklich als die ‚Befreiung‘, wie sie seit Weizsäcker am 8.Mai in der Bundesrepublik gefeiert wird, oder doch als ‚Niederlage‘, ‚Stunde Null‘ oder gar als ‚Tag des Sieges‘, wie ihn die DDR und UdSSR einen Tag später zelebrierten?
Daher wird sich Poldi passend am 8.Mai mit den die Antrieben und Überzeugungen des Reiches in den letzten Kriegswochen beschäftigen und einen Überblick darüber geben, welche Debatten und Begriffe die Beschäftigung mit der Kapitulation Nazideutschlands geschichtspolitisch prägen.

In Kooperation mit dem

„Unsere Opfer zählen nicht“

Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg.
Referent: Karl Rössel
17. Januar 18.30 Uhr KulturCafe

Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Allein Indien stellte 2,5 Millionen Kolonialsoldaten und China hatte mehr Opfer zu beklagen als Deutschland, Italien und Japan zusammen. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Japanische Militärs verschleppten zudem Hunderttausende Frauen aus Asien in ihre Frontbordelle. Rekruten aus den Kolonien, ob Freiwillige oder Zwangsverpflichtete, mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre «weißen Kameraden» zufriedengeben. In der Dritten Welt gab es allerdings nicht nur Opfer, sondern auch Kollaborateure der faschistischen Achsenmächte, die im Krieg an deren Seite kämpften – von Nordafrika über Palästina, den Irak und Indien bis nach Indonesien.
Das Buch „Unsere Opfer zählen nicht“ – die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg (Verlag Assoziation A, Hamburg/Berlin), herausgegeben von Recherche International e.V. und dem Rheinischen JournalistInnenbüro in Köln, erinnerte 2005 erstmals an dieses vergessene Kapitel der Geschichte. Es entstand auf der Grundlage langjähriger Recherchen und zahlreicher Interviews mit Veteranen, ZeitzeugInnen und HistorikerInnen in 30 Ländern und gibt erstmals einen Überblick über die weitreichenden Folgen des Zweiten Weltkriegs in der Dritten Welt. 2008 sind zudem Unterrichtsmaterialien zum Thema mit Originaltönen von ZeitzeugInnen auf einer beiliegenden CD erschienen. Seit 2009 tourt eine Wanderausstellung zum Thema durch verschiedene Städte. (Weitere Infos zum Projekt: www.3www2.de)

Karl Rössel arbeitete von 1983 bis 2011 im Rheinischen JournalistInnenbüro in Köln als Autor für Hörfunk und Printmedien zu internationalistischen Themen. Buchveröffentlichungen u.a. über die Geschichte der Dritte Welt-Bewegung in der Bundesrepublik, den vergessenen Krieg in der Westsahara, den Missbrauch deutscher Entwicklungshilfe zur Aufstandsbekämpfung auf den Philippinen und die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg.