Referent: Markus Liske und Manja Präkels
18. Oktober 18.30 Uhr KulturCafe
Die Herausgeber der Anthologie „Kaltland – Eine Sammlung“ erinnern an 20 Jahre Hoyerswerda und die Schattenseiten der deutschen Vereinigung: Die Abschaffung des westdeutschen Asylrechts über staatlich geduldete Pogrome in Ostdeutschland, die Entstehung von No-Go-Areas, bzw. „national befreiten Zonen“, die bis heute bestehen und die Initiation eines gemeinsamen Nationalgefühls über Morde, Abschiebung und Lichterketten.
Die massiven Angriffe auf die Asylbewerberheime in Hoyerswerda (17.09.1991) und Rostock-Lichtenhagen (16.08.1992), haben sich als Horrorszenarien eines neuen Rassismus nach der Wende in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Die Bilder von jubelnden Menschenmassen vor brennenden Häusern, untätigen Polizisten und Würstchenbuden für die Zuschauer gingen um die Welt. Umso bemerkenswerter ist es, dass diese völkische Massenbewegung, die die frühen 90er Jahre dominierte und das heutige Deutschland mitgestaltete, in den zahllosen Wende-Romanen, die seither erschienen sind, schlichtweg nicht erwähnt wird.
Zwanzig Jahre danach füllt »Kaltland« diese Leerstelle mit Erzählungen, autobiografischen Geschichten und O-Tönen prominenter Autoren und Künstler, wie:
Alexander Kluge, Emine S. Özdamar, Andres Veiel, Jakob Hein, Alexander Osang, Hermann L. Gremliza, Martin Sonneborn, Schorsch Kamerun, Peter Wawerzinek, Michael Wildenhain, Kerstin Hensel, Jutta Ditfurth u.v.m.
Markus Liske (*1967 in Bremen) lebt seit 1987 in Berlin und initiierte in den Neunzigern diverse antifaschistische Kulturprojekte und Lesereihen in Berlin und Brandenburg. Seit 2001 arbeitet er als freier Autor und Kolumnist. 2004 erschien sein erster Erzählband „Deutschland. Ein Hundetraum“ (Verlag Edition AV).
Manja Präkels (*1974 in Zehdenick/Brandenburg), arbeitete in den Neunzigern als Lokaljournalistin für die Märkische Allgemeine Zeitung und interviewte für die ZDF-Doku „Abgestempelt“ brandenburgische Neonazis und ihre Opfer. Seit 1998 lebt sie in Berlin als freie Autorin und Sängerin der Band „Der Singende Tresen“.
www.gedankenmanufaktur.net
Unsere Termine im Wintersemester 2011/12:
8. Oktober: 20 Jahre „Kaltland“ – Die deutschen Pogrom-Jahre 1991-94 und ihre Folgen
25. Oktober: Über Rowdys und „Fidschis klatschen“ – Fußballfans zwischen DDR und Wende
8. November: Begründungsmuster weiblicher Genitalverstümmelung – Zur Vermittlung von Kulturrelativismus und Universalismus (in Kooperation mit der Roten Ruhr Uni / Beginn: 19:00)
15. November: Neues von der „Spätzlestasi“ – Der Einsatz des LKA-Spitzels „Simon Brenner“ gegen die linke Szene in Heidelberg
22. November: Die Welt verändern ohne die Macht zu übernehmen – Soziale und politische Bewegungen in Mexiko
29. November: „Wandersplitter – Eine Anti-Biographie“- Zur Erinnerung an Thomas Harlan (1929-2010)
6. Dezember: Schwarz werden – „Afroamerikanophilie“ in den 1960er und 1970er Jahren
13. Dezember: Autonome Nationalisten – Neonazismus in Bewegung
20. Dezember: „Totgesagte leben länger: warum heute noch Karl Marx lesen?“ – Einführung in die Kritik der Politischen Ökonomie
10. Januar: Kritische Theorie: Eine Einführung – Der Begriff der Natur in der Kritischen Theorie
17. Januar: „Unsere Opfer zählen nicht“ – Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg
Wenn keine Zeitänderung angegeben wurde, finden die Veranstaltungen um 18:30 im KulturCafé statt.